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Lachs und Avocado für Europa – Die dunkle Seite von Trend-Foods

Trend-Foods Lachs und Avocado

Die Nachfrage nach den Trend-Foods Lachs und Avocado in Europa ist immens. Doch in Lateinamerika hat dieser Boom nicht selten brutale Auswirkungen: Ausbeutung von Natur und Menschen, damit in der nördlichen Hemisphäre der Tisch gedeckt ist.

 

Sie sind die Stars unter den Lebensmitteln in Europa – Lachs und Avocado

Sie kommen von weit her, aus Mexiko. Dort bringt die Avocado Wohlstand, aber auch den Tod. Kriminelle Kartelle führen Krieg gegen Kleinbauern, die um ihr Leben kämpfen.

In Chile boomt die Lachszucht, mit Folgen für die Umwelt und die Menschen, die hier leben. Für die Industrie ist der Lachs wichtiger als die Arbeiter.

 

Trend-Foods Lachs und Avocado

Michoacán, ein Bundesstaat im Westen Mexikos, ist ein Avocado-Paradies.

Kein anderes Land produziert so viel von dieser grünen Frucht. Ein Wirtschaftsmotor, ein nationaler Stolz, der tausenden von Mexikanern dort Arbeit bringt. Ein wildes Land mit starken, rebellischen Menschen. Den Avocado-Preis kann man heute nicht mehr mit dem vor 20 Jahren vergleichen, 9 Cent pro Kilo. Manchmal haben die Kleinbauern erst gar nicht geerntet, weil es teurer war, die Ware zum Markt zu bringen, als sie einfach verrotten zu lassen. Jetzt, durch den riesigen Exportmarkt, bringt ein Kilo bis zu 6 Euro, und damit ein gutes Leben. Für die Avocado-Produzenten ist es das grüne Gold. Und da steckt das Problem: denn mit dem Wohlstand kamen auch die Begehrlichkeiten. Kriminelle Kartelle wollen am grünen Gold mitverdienen, fordern Schutzgeld – 100 Euro pro 1 Hektar Land. Wer nicht bezahlt, wird erschossen oder verschwindet einfach. Manchen Leuten nehmen sie die Felder weg oder sie zwingen sie dazu, ihr Land zu verkaufen und zu einem Preis, den sie vorgeben. Manche haben Angst, ihre Ernte auf den Markt zu fahren, weil sie auf dem Weg dorthin überfallen werden. Das organisierte Verbrechen kommt daher, wo es viel Geld gibt. Seit 6 Jahren wehren sich die Kleinbauern. Sie haben ihre Sicherheit in die eigenen Hände genommen. Ihre Gerätschaften haben sie gegen Waffen getauscht. Bürgerwehren haben sich gebildet. Jeder muss einsatzfähig sein. Der Zivilschutz wurde aus der Not heraus gegründet, weil es keine Sicherheit gab. Um zu verhindern, dass das organisierte Verbrechen die Gemeinschaft durchdrängt. Normale Frauen und Männer stellen sich einem skrupellosen Gegner – dem organisierten Verbrechen. Ihr tägliches Geschäft: Drogen, Schutzgeld, Raub, Mord. Es herrscht Krieg zwischen den Kartellen und der Macht in der Region. Sie zucken nicht mit der Wimper, ihre Gegner auszulöschen. Jeden, der sich ihrem Willen nicht beugt. Und so sterben Feldarbeiter auf den Avocado-Plantagen, und Avocado-Händler. Nach Jahren der Bürgerwehr hat die Stadt die Landwirte zu Polizisten ernannt. Jetzt stellen sie sich den Kartellen in Uniform entgegen und tun, was die Polizei hätte tun müssen, aber nie getan hat. Die Bürger hatten damals mit eigenen Augen gesehen, wie die Kriminellen gemeinsam mit der Polizei auf Patrouille waren. Ein Kampf David gegen Goliath.

 

Trend-Foods Lachs und Avocado

Trend-Food Lachs

Ganz ähnlich geht es vielen Menschen in Chile, im äußersten Süden der Erde. Auf der Insel Chiloé wird ein anderes Superfood gezüchtet – Lachs. Chiloé ist seit jeher die Insel der Muschelfischer. Austern und Meeresschnecken entreißen sie dem Pazifik. Die Inselbevölkerung von Chiloé ist mächtig gewachsen, seit der Lachsexport boomt. Ein Fisch aus dem Norden, der hier auf der Südhalbkugel eigentlich nicht vorkommt. Es gibt viele Zuchtfarmen. Bis zu 12.000 Lachse stecken in jedem Käfig. Das Problem ist, dass viel vom Futter der Lachse einfach auf den Meeresboden sinkt. Ebenso die Fäkalien der Fische. Deshalb liegt auf dem Meeresboden eine Masse an Fäulnis, mehr als 1 Meter hoch. Das Geschäft mit dem Zuchtlachs in Chile boomt, dank internationaler Nachfrage. Die Arbeitsbedingen in einer der Fabriken: Es herrscht ein Klima der Angst. Die Angestellten arbeiten täglich unter der Bedrohung, dass sie gekündigt werden, wenn sie nicht die Norm erfüllen oder nicht freiwillig Überstunden machen. Bis zu 150.000 Lachse pro Tag werden geerntet und in die Fabrik gebracht. Sie sollen mit Antibiotika vollgepumpt sein. Eine Dosis, die laut Umweltschützer, mehr als 500 mal höher sei als in Europa üblich. Viele Arbeiter besitzen nur Saisonverträge. Bei Unfällen am Arbeitsplatz bekommen sie weder eine Entschädigung noch eine Abfindung. Dieser Umgang ist typisch für die Lachsimporteure. Gleichzeitig hat die Lachsindustrie aber auch ein klein wenig Wohlstand für die Menschen in Chiloé gebracht.

 

Trend-Foods Lachs und Avocado

Trend-Food Avocado

Tancítaro in Mexiko rühmt sich als Welthauptstadt der Avocado. Alles hängt dort von der grünen Frucht ab. Was sie dort nicht mögen: Menschen, die sich in Ihre Angelegenheiten einmischen. Man kann nicht unbewaffnet sein, in einer Region, in der es so viele Begehrlichkeiten gibt. Wenn man die Zukunft der Kinder schützen will sowie das Wasser, den Wald und alle natürlichen Ressourcen, muss man leider bewaffnet sein. Einst war der Bundesstaat Michoacán dicht bewaldet. Um die gewinnbringenden Avocado-Plantagen auszudehnen, wird illegal gerodet. Das grüne Gold macht gierig. Kriminelle Banden aber auch die Avocado-Bauern selbst. Ein Gesetz verbietet die Rodung. Und doch weichen Hektar um Hektar Wald den Avocado-Plantagen. Dafür arbeiten die Landwirte mit allen Tricks. Bäume werden angesägt, damit sie vertrocknen. Oder der scheinbar zufällige Waldbrand. Und wo es gebrannt hat, stehen plötzlich junge Avocado-Pflanzen. Statt mehr Avocados braucht es die Wiederaufforstung der Wälder. Das wäre auch für das Grundwasser sehr wichtig. Riesige Wasserbecken entstehen. 3 Avocados brauchen 1.000 Liter Wasser. Mit jeder neuen Plantage gelangen mehr Pestizide in die Luft und ins Wasser. Das ist der Preis, der bezahlt wird für den Avocado-Boom. Mexiko verscherbelt seine Luft und sein Wasser für den Rest der Welt.

Der Avocado-Boom hat Reichtum nach Mexiko gebracht, aber auch Tod und Vertreibung. Avocado – für die einen ist sie ein köstlicher Genuss, für einige Menschen in Mexiko die größte Tragödie des Lebens. Die Menschen zahlen einen hohen Preis. Das ist die Schattenseite unseres Trend-Foods.

 

Zurück nach Chile

In Chile belastet vor allem das Futter der Lachse die Umwelt. In den Depots reihen sich die Futtersäcke mehrere hundert Meter im Hafen. Versetzt mit einem Pestizid, das in Europa seit Jahren verboten ist. Nur bei Lachsfutter darf es noch eingesetzt werden. Anders wären die Pellets nicht haltbar. Umweltschützer halten das für problematisch. Ein Großteil des Futtergranulats besteht derzeit aus Soja und Raps. Der Lachs, eigentlich ein Raubfisch, wurde zu einem Vegetarier umgepolt. Das spart Kosten. Denn das Trendfood Lachs soll ja bezahlbar bleiben. Aus Brasiliens größtem Soja-Anbaugebiet stammt das Lachsfutter. Diese Fabrik exportiert Soja-Schrot, ausschließlich für Zuchtlachs, 18.000 Tonnen pro Monat. Die steigende Nachfrage könne man nur unter Einsatz von Pestiziden bedienen. Die Bevölkerung wächst und wenn die Fabrik nicht ihre Agrargifte einsetzt, kann sie die Produktivität nicht steigern. Für Soja-Monokulturen wurden in Brasilien allein in diesem Jahr mehr als 150 neue Pestizide zugelassen.

Die Kleinbauern sagen, es liege ein Fluch auf ihnen. Pestizide befinden sich im Trinkwasser und selbst im Futter von Milchkühen. In Europa ist das Sprühen von Pestiziden auf Agrarflächen verboten, in Brasilien ist das Sprühen von Pestiziden auf Sojafeldern normal. Den Kleinbauern geht dadurch die Ernte verloren, Obst- und Gemüsepflanzen sterben ab. Die Sojaflächen wachsen mit jedem Jahr, auch wegen der boomenden Lachszucht.

In Chile wächst die Wut auf die Lachszüchter, vor allem unter traditionellen Fischern. Diese tauchen an der Küste nach Meeresfrüchten. Muscheltaucher gibt es immer weniger. Weil man immer weniger Muscheln findet, haben viele Taucher aufgegeben. Die Muscheltaucher sind überzeugt, dass für den Rückgang der Austern die Lachsindustrie verantwortlich sei. Denn sie verschmutzen den Pazifik durch immer neue Zuchtfarmen. Durch die Strömung treibt der verfaulte Dreck der Lachse überall hin. Manchmal gibt es Algenplagen. Die Algenpest hatte das Fischen 2016 unmöglich gemacht. Damals blockierten die Einwohner von Chiloé 3 Wochen lang die Straßen und Fähren. Der Protest richtete sich vor allem gegen die Lachsindustrie.

Es gibt viel zu viel Antibiotika im Futter und zu lasche Regeln für Unternehmer. In der chilenischen Lachsindustrie gibt es die längsten Arbeitszeiten, die niedrigsten Gehälter und die meisten Verstöße gegen Arbeitnehmerrechte weltweit. Entlang der Küste häufen sich die Fälle einer speziellen Krankheit, der Taucherkrankheit. Bei denen, die unter Wasser Lachskäfige reparieren, bilden sich Gasbläschen im Gewebe, dann, wenn sie zu schnell auftauchen. Ins Krankenhaus kommen immer mehr Taucher von Lachsfarmen zur Behandlung ihrer Schmerzen. 2 Stunden müssen sie in einer Druckkammer ausharren. In der Kammer wird der Druck in 18 Meter Wassertiefe simuliert. So lassen sich einige der Glasbläschen abbauen. Eine aufwendige Therapie für die es keine Unterstützung der Industrie gibt. Die Taucher zahlen einen hohen Preis, damit in den Industrieländern bezahlbarer Lachs auf den Tisch kommt. Chile ist der zweitgrößte Lachs- Exporteur der Welt, direkt hinter Norwegen. Immer wieder kommt es zu Unfällen oder Toten, z.B. bei den Tauchern, die die Käfige in 40 Meter Tiefe reparieren. Die Konsumenten in Europa müssen wissen, dass an dem Lachs aus Chile das Blut der Arbeiter klebt. Umweltverbände kritisieren lasche Kontrollen und eine Lachsindustrie, die immer wieder Regeln zu brechen scheint.

Durch den Boom dringt die Lachsindustrie immer weiter in den Süden Chiles vor, bis in antarktische Gewässer. Der Boom des Superfoods – er scheint unaufhaltsam zu sein.

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